03.02.2005 › Auf der Suche nach Akzeptanz

 

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EJZ 03.02.05
Ernste Bedenken oder Sankt Florian?
Windkraft- und Biogasanlagen: Auf der Suche nach Akzeptanz

gel Lüchow. Man kennt die Probleme im Lemgow. Man kennt sie am Clenzer Fuchsberg. Und neuerdings auch in Nemitz. Fast überall, wo in Lüchow-Dannenberg Windkraft- oder Biogasanlagen geplant werden, regt sich Widerstand. Ironie der Geschichte: Es sind eben auch Atomkraftgegner, die sich immer für mehr regenerative Energien stark gemacht hatten, jetzt aber bitteschön nicht vor der eigenen Haustür. Geht"s nach dem Sankt-Florians-Prinzip? Warum diese Ablehnung? Und wie ließen sich die Konflikte lösen? Fragen, denen am Dienstag im Lüchower Ratskeller nachgegangen wurde.

Die Akzeptanzdiskussion müsse vor dem Hintergrund geführt werden, dass sich die fossilen Ressourcen dramatisch dem Ende neigten. Biogasanlagen seien da eine Chance. Das müsse bei den Konflikten vor Ort berücksichtigt werden. Betreiber und Anwohner müssten sich ernsthaft zusammensetzen. Mediationen seien dafür nötig. Dies könnte auch Aufgabe der Gemeinderäte sein. Dies sagte Hans-Josef Fell, forschungs- und technologiepolitischer Sprecher der bündnisgrünen Bundestagsfraktion, auf der Veranstaltung. Der Zuspruch mit rund 80 Zuhörern zeigte, wie sehr das Thema unter den Nägeln brennt. Die hiesige Grünen-Bundestagsabgeordnete Marianne Tritz hatte die Diskussion organisiert.

Trebels Bürgermeister Wolfgang Wiegreffe stellte die Frage der Fragen: Wie sei es zu erreichen, dass die Bürger mitgehen bei diesen Projekten? Marianne Tritz betonte, dass die Politik in Berlin nur den Rahmen vorgeben könne, um beispielsweise regenerative Energien zu fördern. Aber die Konflikte seien nur konkret vor Ort zu lösen. Empfohlen wurden rechtzeitige Bürgerversammlungen, auf denen Argumente sachlich ausgetauscht werden.

Die Ängste und Befürchtungen der Kritiker ähneln sich: Windräder würden zu dicht an Wohnbebauung geplant, könnten zu laut sein, mal tritt ein "trampeliger" Investor von außen auf. Die Biogasanlage könnte möglicherweise stinken und zu viel Fahrzeugbewegung mit sich bringen. Doch all das wird im Genehmigungsverfahren gecheckt. Manfred Haacke vom Landkreis-Bauamt sagte, Biogasanlagen laufen bereits geräuschlos und stinken nicht. Die Interessenten für die Nemitzer Biogasanlage sprachen von 300 zusätzlichen Fahrten durchs Dorf pro Jahr und von einer geringen Geruchsbelästigung. Doch es gibt noch mehr Bedenken. Beispiel Windräder. Seien Anlagen von über 100 Metern, die mit Blinklichtern befeuert werden, wirklich nötig? Die Spargel könnten auch Probleme für die Vogelzugsgebiete nach sich ziehen.

Hans-Josef Fell sagte, dass Klima- und Naturschutz immer abgewogen werden müssten. Wahr sei nämlich auch, dass durch die Klimaveränderung Vogelbestände schon massiv geschädigt worden seien. Fell weiß, dass die Blinkfeuer stören. Doch dort könnten sich möglicherweise demnächst auch andere Lösungen auftun. Zudem sei die technische Entwicklung so weitergegangen, dass es Spiegelreflexe bei den Windrädern gar nicht mehr gebe, dafür aber viele Vorurteile. Zuvor hatte Fell vor "apokalyptischen Zuständen" wegen der Klimaveränderung gewarnt. Gefragt sei eine Strategie mit "null Emissionen". Das heiße Abschied nehmen von den endlichen Ressourcen Gas, Öl, Kohle und Uran. Die Diskussion über eine Renaissance der Atomenergie "müssen wir ernst nehmen". Doch Uran sei die beschränkteste Ressource überhaupt, warnte Fell. Er prophezeite Krieg und Unfrieden beim Kampf um Ressourcen. Mit dezentraler Energiegewinnung aus Wind, Sonne, Wasser, Biomasse, Erdwärme oder Meeresenergie könnten sich dagegen alle Regionen der Welt selbst versorgen. Das brächte dann auch Gewinne für die Menschen in der Region. Aber nicht mehr für die Konzerne - die deswegen dagegen seien.

Bild: Die fossilen Ressourcen neigten sich dramatisch dem Ende entgegen - das müsse bei den Akzeptanzdiskussionen zu Windkraft- oder Biogasprojekten berücksichtigt werden: Hans-Josef Fell, forschungspolitischer Sprecher der Bundestagsgrünen (rechts), macht sich wie Michael Wedler ("Regionen Aktiv") und MdB Marianne Tritz für mehr regenerative Energien stark. Aufn.: J. Feuerriegel




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