08.11.2004 › zum Tode des französischen Anti-Atom-Demonstranten Sébastien Briat

 

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Presseerklärung

Die Bundestagsabgeordnete Marianne Tritz aus Lüchow-Dannenberg, die sich aus Anlass des Castor-Transportes in Gorleben aufhält, erklärt:

Der Tod des französischen Atomkraftgegners Sébastien Briat in Lothringen ist entsetzlich. Wie es zu diesem Unglück kommen konnte, darüber werden in den nächsten Tagen und Wochen voraussichtlich noch viele Informationen zusammengetragen. Gab es keine Kontrolle der Strecke, bevor der Castor-Zug kam? Wusste auf Demonstrantenseite niemand etwas von dieser Aktion? Was wäre gewesen, wenn statt des Demonstranten etwas anderes auf den Schienen gelegen hätte, das den Zug zum Entgleisen gebracht hätte? Doch keine mögliche Antwort schafft die Notwendigkeit aus der Welt, nach diesem Entsetzen zum Nachdenken und zur Besonnenheit zu kommen. Jeder von uns weiß, dass es in der Konfrontation zwischen Staatsmacht und Demonstranten jederzeit zu Situationen kommen kann, bei denen nur der Zufall oder der Einspruch einer besonnenen Stimme Schlimmeres verhütet.

Es ist einfach, das Ende der Transporte und die Aufkündigung des Atomkonsenses zu fordern, wie dies Greenpeace getan hat. Dem Ende der Atomenergie kommt man auf diese Weise keinen Schritt näher. Das gleiche Recht, auf das wir uns als Demonstranten berufen, schützt nach der bisher gültigen Auffassung den Eigentümer des Atommülls, wenn er ihn aus La Hague nach Deutschland zurückholt. Ob die Ausübung des Eigentums so weit reichende Auswirkungen einschließt wie die eines möglichen Atomunfalls - darüber muss man streiten. Aber politische Entscheidungen fallen unter den gegebenen Bedingungen. Und unter denen ist der Atomkonsens in der 30jährigen Geschichte des Anti-Atom-Widerstandes in Deutschland der weitestgehende Schritt in Richtung eines Ausstiegs. Noch in diesem Jahr wird ein Gesetz zur Standortsuche vorlegt werden. Im Jahr 2005 wird die Wiederaufbereitung beendet und der anfallende Müll verbleibt dann an den AKW-Standorten, wo die Zwischenlager genehmigt worden sind.

Das für Lüchow-Dannenberg zentrale Thema dieses Konsenses ist damit allerdings noch nicht beantwortet. Erst wenn es eine neue Standortsuche für ein bestmögliches Endlager gibt, eröffnet der Atomkonses dieser Region die Aussicht, nicht mehr der zentrale Entsorgungsstandort Deutschlands zu bleiben. Erst dann wäre nicht mehr jeder Castor-Transport die Bestätigung dieser Befürchtung. Und erst dann gäbe es die Aussicht, dass nicht mehr mit Erbitterung um jeden Transport gerungen werden muss.




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