Wolfgang Schonecke, Netzwerk Afrika Deutschland

 

    zurück | Home | drucken


Konkrete Konsequenzen des unkontrollierte Handels mit Kleinwaffen in Afrika

Wolfgang Schonecke, Netzwerk Afrika Deutschland

Wir halten reiche Informationen zum Thema Waffenhandel mit zahlreichen Statistiken in Händen. Hinter den Zahlen stehen zahllose Schicksale von Einzelnen, Familien und Gemeinschaften. Aus meiner 30-jährigen Arbeit als Missionar in Uganda und Kenia möchte ich das an drei Beispielen illustrieren.

" 1980, am Ende des Krieges zwischen Tansania und Uganda, fielen Bestände von Kleinwaffen in die Hände eines der Clans der nomadischen Karimojong im Norden Ugandas. Das traditionelle Machtverhältnis zwischen den Clans wurde gestört und über mehrere Monate konnte sich der eine Clan durch den Besitz moderner Kleinwaffen den Viehbestand aller andern Clans mit Gewalt aneignen. Das Resultat war eine Hungersnot, ein kostspieliges internationales Hilfsprogramm und die Bewaffnung aller anderen Ethnien in der Region. Auch nach 20 Jahren bleibt die Sicherheitslage in Karamoja prekär. Aus den traditionellen Kriegern sind kriminelle Banden geworden, außerhalb der Kontrolle der Stammesältesten. Alle Versuche einer Entwaffnung sind gescheitert. Der unkontrollierte Fluss von Waffen hat in Karamoja und in vielen Teilen Afrikas die sozialen und politischen Strukturen zerstört.

" Zwei Mal in meinem Leben habe ich in die Mündung einer Kalaschnikow geblickt und geglaubt, dass meine letzte Stunde gekommen sei. Einmal war die Schnellfeuerwaffe in Händen eines Soldaten, der unter Drogen stand, das zweite Mal in denen eines 15-jährigen Jugendlichen. Wenn wir über die Notwenigkeit einer internationalen Waffenkontrolle diskutieren, müssen wir zwei Dinge bedenken: - Die Opfer der Waffen in heutigen Kriegen sind weniger Soldaten, als vielmehr Zivilisten, vor allem Frauen und Kinder. - Viele Kleinwaffen, die durch den unkontrollierten und illegalen Waffenhandel nach Afrika kommen, finden ihren Weg schließlich in die Hände von Kindern und Jugendlichen und machen sie zu Mördern. Aus Kindersoldaten werden nach dem Kriege kriminelle Banden, die auch nach Kriegsende den Wiederaufbau eines Rechtsstaats für Jahre verhindern können.

" Fünf Jahre habe ich in Kenia mit Opfern der Konflikte im Grossen-Seen-Gebiet gearbeitet, die aus ihrer Heimat geflohen waren, um ihr Leben zu retten. Jeder, der den Leidensgeschichten von Flüchtlingen zuhört, weiß, dass Waffen nicht nur Körper töten und verstümmeln, sondern die menschliche Würde und die seelische Gesundheit von Tätern und Opfern zerstören. Die Folgen eines unkontrollierten, illegalen Waffenhandels sind nicht nur Tote und zerstörte Städte. Die Hypothek für Generationen sind die psychischen Traumata von Kindern und Erwachsenen, die Zerstörung von Familienstrukturen und Dorfgemeinschaften und eine wachsende Kultur der Gewalt.

Als Missionare leben wir mit den Menschen vor Ort und erleben die unvorstellbaren Leiden von Eltern und Kindern. Wir erfahren konkret die langfristigen Konsequenzen eines unkontrollierten internationalen Waffenhandels. Aus dieser gelebten Erfahrung fühlt sich unserer Netzwerk Afrika Deutschland - ein Zusammenschluss von 45 katholischen Missionsgemeinschaften - verpflichtet, sich für ein internationales Abkommen über Waffenkontrolle einzusetzen und möchte auch Sie, die Sie politische Verantwortung tragen, dazu einladen.




    diese frameseite ausdrucken    © 2002 by Tritz & Reichelt